ANNEROD – (elo). „Mit Musik geht alles besser“ lautet das Motto des Jubiläumskonzertes, das am morgigen Samstag anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Gesangvereins „Heiterkeit“ Annerod stattfindet. Das Motto des Konzertes kann dabei auch für die Geschichte der „Heiterkeit“ insgesamt gelten, denn die Gründer, die am 15. Juni 1892 das Fundament des Vereins legten, sahen ihre Hauptaufgabe darin, das Lied als Kulturgut zu erhalten und zu fördern und gleichzeitig echte Freundschaft und Geselligkeit zu pflegen, wie es in der Festschrift zum
100-jährigen Jubiläum heißt.

Zusätzlich zu dem seinerzeit ebenfalls in Annerod bestehenden Gesangverein „Teutonia“ riefen 17 Männer im Gasthaus „Wächter“ unter dem Vorsitz Philipp Bindeburgs I. die „Heiterkeit“ ins Leben. Als Gesangslokal diente das „Sälchen“ bei Engelhardt, wo der Verein bis 1906 seinen festen Sitz hatte. Unter der straffen Leitung des Militärmusikers Kämmerer aus Gießen, in Sängerkreisen damals auch als „Seele der Hüttenberg-Schiffenberg-Metropole“ bekannt, reihten sich immer mehr, insbesondere junge Männer in die Reihen der „Heiterkeit“ ein, sodass bald ein stattlicher Chor entstand.

Bereits seit 1910 nimmt der Verein, meist mit großem Erfolg, an Chorwettbewerben teil. Ein eigens angefertigter Pokalschrank zeugt von den zahlreichen Auszeichnungen der „Heiterkeit“, darunter auch die begehrte Zelterplakette. Eine jähe Unterbrechung erfuhr das Vereinsleben durch den Ersten Weltkrieg, als fast alle Sänger zum Kriegsdienst eingezogen wurden. Auch während des Zweiten Weltkrieges ruhten die Singstunden, bis es 1946 in der damaligen neuen Schule zu einer Aussprache über die Wiederbelebung der „Heiterkeit“ kam. Bereits die erste Übungsstunde nach dem Krieg fand mit 44 Sängern statt. Einen beachtlichen Aufstieg erfuhr der Verein dann 1952, als der Männerchor um einen gemischten Chor erweitert wurde.

Die Hochzeit der „Heiterkeit“ fand unter der Chorleitung Georg Hilfrichs statt, der die beiden Chöre von 1983 bis 1998 leitete. Zusammen mit der Gruppe „Opera et cetera“, die als Gast auftritt, wird Hilfrich auch beim Jubiläum dabei sein. Die weiteren Mitwirkenden des Jubiläumskonzertes im Bürgerhaus sind der gemischte Chor „ChorColores“ und die Formation „Inspiration“, die beide unter der Leitung von Martin Gärtner stehen sowie der Jugendchor „Soundscapes“ (Leitung: Peter Damm).

Während „Inspiration“ im Jahr 2001 mit dem Ziel, deutlich modernere Stücke zu singen und damit auch jüngere Sängerinnen und Sänger anzusprechen, gegründet wurde, besteht der Jugendchor „Soundscapes“ erst seit 2015. Immer wieder gab es in der Geschichte der „Heiterkeit“ verschiedene Kinderchorgruppen, die sich dann allerdings wieder auflösten. Auch bei „Soundscapes“ verlief der Beginn etwas schleppend. Mittlerweile sind aber schon einige öffentliche Auftritte der Formation zustande gekommen, bei denen die jungen Sängerinnen und Sänger unter Beweis stellen konnten, dass auch das Singen im Chor cool sein kann. Einen markanten Aspekt der Vereinsgeschichte bilden darüber hinaus die Theateraufführungen der „Heiterkeit“: Schon im Saal bei Engelhardts fanden die ersten Aufführungen statt, später wechselten die Akteure des Gesangvereins auf die Bühne des Bürgerhauses. Unvergessen sind in diesem Zusammenhang die Auftritte Christel Genzlers, bei der es sich um eines der Originale in der Geschichte des Vereins handelte. Seit Genzlers Tod im Jahr 2011 fand keine Theateraufführung mehr statt.

Neben Genzler gibt es aber noch viele weitere Menschen, die eng mit den Geschicken des Gesangvereins verbunden sind und waren. So gibt es die Anekdote von Rudi Engelhardt, der während einer Theateraufführung in einem Fass saß und den Text mit Hilfe einer Taschenlampe ablesen musste. Das 100-jährige Bestehen der „Heiterkeit“ wurde mit einem großen Fest, Gesangswettbewerb mit über 40 Chören, neuer Vereinsfahne und Festzug durch Annerod gefeiert. Über die Feierlichkeiten hinaus blieb dabei vor allem die Dekoration in Erinnerung: Werner Erdmann, gelernter Gärtner, zauberte einen ganzen Garten mit Springbrunnen und Teich samt lebenden Goldfischen in die Turnhalle. Weiterhin bestand hat zudem der auf die neue Fahne gestickte Spruch: „Uns alle verbindet das Lied“. Momentan gehören dem Verein knapp 200 Mitglieder an. Dabei gehören dem gemischten Chor 33, „Inspiration“ 32 Aktive an. Der Männerchor verfügt über 16 Sänger, im Jugendchor sind 15 Mitglieder dabei. Das Alter der „Heiterkeit“-Mitglieder reicht von 15 bis 84 Jahren. Petra Diekel, die Vorsitzende des Vereins, beurteilt die derzeitige Situation als durchaus positiv: Mit der Gründung von „Inspiration“ habe man dem dieser Tage oft beklagten Rückgang der Mitglieder gut entgegengesteuert und auch „Soundscapes“ entwickele sich gut. Auch nach 125 Jahren kann die „Heiterkeit“ demnach hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.

*

Das Jubiläumskonzert beginnt am Samstag um 19.30 Uhr, Einlass ist ab 19 Uhr. Eintrittskarten kosten an der Abendkasse 16 Euro. Zu Gehör kommen „Evergreens und Ohrwürmer“. Die Schirmherrschaft hat Bürgermeister Stefan Bechthold. Darüber hinaus gibt die „Heiterkeit“ am 18. November ein weiteres Konzert in der Anneröder Kirche.

Bericht: Giessener Anzeiger – Eva Lorenz